Ein persönlicher Erfahrungsbericht zum Thema Ernährung:

Wie viele von euch wissen, oder auch nicht, ernähre mich seit einigen Jahren, wie ich es nenne „vorwiegend pflanzlich“. Vor 6 Jahren habe ich also von einem Tag auf den anderen beschlossen, keinerlei tierische Lebensmittel mehr zu verzehren. Da es mein Naturell ist, einmal einen gefassten Entschluss auch sofort mit aller Konsequenz die es braucht in die Tat umzusetzen, was bedeutet, Nägel mit Köpfen zu machen, hat meine Familie und haben meine Freunde sich auch nicht großartig  gewundert, als ich sie von meiner Entscheidung in Kenntnis gesetzt habe und mein Kühlschrank ab diesem Zeitpunkt vor lauter Gemüse überquoll. Meine ersten Kochversuche waren, nun ja ich will es mal so formulieren, eher bescheiden, aber der Mensch ist ja lernwillig.
Vor 6 Jahren war das Thema pflanzliche Ernährung noch nicht so präsent wie es heute daher kommt. Es gab noch wenig gute vegane Kochbücher, keine trendigen Köche oder Köchinnen, und auch war das Thema nicht so emotional besetzt wie es heute ist. Ich stieß eher auf  Reaktionen wie: „Was darfst du denn da essen?“ Lustig fand ich immer das Wort „dürfen“ in diesem Zusammenhang, so als würde die Entscheidung nicht von mir kommen, sondern mir von einer unsichtbaren Macht aufgezwungen werden. Nach dem Motto „Das kann doch unmöglich deine eigene Entscheidung sein!“ Meine Antwort war und ist immer noch die gleiche: „Pflanzen!“
Wenn ich mich einmal einem Thema zuwende, so war es auch hier der Fall, dann vertiefe ich mich gerne darin, informiere mich, wäge ab, lasse andere Meinungen zu. Natürlich habe ich viele - ich hatte damals das Gefühl ALLE - Bücher zu diesem Thema gelesen. Einfach weil ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen wollte. Mittlerweile gibt es ja unzählige Beiträge, Veröffentlichungen, Studien und Literatur, mittlerweile ist vegane, oder pflanzliche Ernährung ja zum „Trend“ geworden. Nein, ich lasse mich hier nicht zum Thema vegane Würste aus!

Interessant ist, dass John Robbins schon 1987 in seinem Klassiker „Diet for a New America“ darüber geschrieben hat, wie unsere Ernährungsgewohnheiten auf alle Bereiche des Lebens einwirken. Robbins hat damals bereits angesprochen, dass unsere Ernährungsweise dazu beitragen kann, Krankheiten vorzubeugen, mehr Vitalität, ein stärkeres Immunsystem zu erlangen. Sein 2001 erschienenes Buch „The Food Revolution“ widmet sich noch einmal konsequenter diesen Themen. Ich fand seine Bücher wirklich spannend und lesenswert, mit einem großen Informationsgehalt. Viele von euch kennen sicherlich „The China Study“ von T. Colin Campell, auch das Buch „Tiere essen“ von dem Autor Jonathan Safran Foer, welches nicht nur ein Buch gegen das Essen von Tieren ist, sondern auch gegen das Verdrängen. Natürlich gibt es zu jeder Studie, jeder Veröffentlichung eine Menge an Gegenstudien, gerade zum Thema Ernährung und Lebensmittel, wo uns die Lebensmittelbranche mit all ihrer Lobbymacht zu manipulieren versucht. Ein Thema, wie ich festgestellt habe, dass sehr stark polarisiert, und die Lager spaltet. Ich habe nie versucht andere Menschen zu missionieren, da erstens dieses Vorhaben so oder so scheitern würde und zweitens ich mich weigere andere Menschen aufgrund ihres Essverhaltens zu verurteilen. Für viele meiner Freunde ist der Verzicht auf Fleisch noch nachvollziehbar, beim Thema „Milch besser nicht“ (wie auch der Titel des Buches von Maria Rollinger ist) wird es dann schon etwas spannender. Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen – ein Lebensmittelkrimi! Mein Tipp: Lesen und sich selber eine Meinung bilden. By the way, gerne verleihe ich all meine Bücher!  Noch ein letzter Buchtipp: Tilo Bode, Gründer der Verbraucherorganisation foodwatch hat auch ein interessantes Buch mit dem Titel: „Die Essensfälscher – Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen“ geschrieben. Lesen – wirken lassen – Entscheidungen treffen.

Zur Frage, warum ich mich dazu entschieden habe, keine tierischen Lebensmittel mehr zu essen? Um ehrlich zu sein, ging es mir anfangs rein gar nicht um den Tierschutz. Darüber wusste ich damals einfach viel zu wenig Bescheid, um mich bewusst gegen Massentierhaltung und Industrie-Propaganda zu entscheiden. Es waren in erster Linie gesundheitliche Aspekte, die mich überzeugten, die ich am eigenen Körper wahrgenommen habe, die für mich nachvollziehbar waren. Und ja, es bedarf einiger Anstrengung unsere gewöhnlichen Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen, zu überprüfen, zu verändern. Es hat auch mich einige Überwindung gekostet, Entscheidungen zu treffen, die von der kulturellen Norm abweichen. Es stellt sich dann die Frage, was esse ich im Restaurant, auf der Berghütte bei Bergtouren, auf Reisen, bei Essenseinladungen und dergleichen. Mittlerweile ist das alles wesentlich einfacher geworden, da viele Restaurants vegane Gerichte anbieten – Berghütten sind nach wie vor ein weißer Fleck auf der Landkarte der veganen Gastronomie.
Mittlerweile bin ich nicht mehr ganz so dogmatisch, lasse aber die Finger von Milchprodukten. Da bin ich ganz fest der Überzeugung, dass ich meinem Körper damit schaden würde. Fleisch, egal ob aus Massentierhaltung oder Bio, glücklich und zufrieden, aus Käfig- oder Freilandhaltung verweigere ich konsequent. Ja, manchmal, wie zu Weihnachten erlaube ich mir „Cheating Days“ und lasse mir Mamas Weihnachtskekse schmecken. Ohne schlechtes Gewissen! Ich stelle mir vor, ich habe auf Grund meiner gesunden Ernährung ein riesengroßes Guthaben auf meinem Gesundheits-Konto und  dieses Guthaben erlaubt es mir dann auch ein paar Kekse und Leckereien zu essen, ohne damit meinen Vorsätzen untreu zu werden.

Noch kurz zum Thema Sport und vegane Ernährung. Ihr wisst alle, dass es mittlerweile unzählige Sportler gibt, die sich vegan oder vorwiegend pflanzlich ernähren und großartige Leistungen bringen. Schon Paavo Nurmi hat sich vegetarisch ernährt, Carl Lewis und Martina Navrátilová vegan, um nur drei zu nennen. Auch viele aktive Sportler ernähren sich auf diese Art und Weise. Natürlich wächst der Muskel auch ohne tierisches Eiweiß, natürlich können wir intensive Ausdauerbelastungen abrufen. Aber zu diesem Thema gibt es genügend Literatur.

Und zum Schluss noch an all jene kritischen Stimmen, die vielleicht erwidern werden, dass wir alle irgend wann einmal sterben müssen. Ja, tatsächlich, die Sterblichkeitsrate liegt bei 100 Prozent. Aber interessant ist nicht die Frage wie lange wir leben, sondern, wie gut wir leben, wie glücklich, wie zufrieden. Und in diesem Zusammenhang glaube ich nicht, dass wir abgestumpfte Verbraucher sind und  wir sind nicht auf der Erde sind, um diese zu zerstören, auch wenn es bei gar nicht allzu pessimistischer Sichtweise diesen Anschein hat. Wir alle sind lernfähig, jeder und jede einzelne von uns. Jeder Mensch hat das Recht, nein ich glaube sogar die Pflicht, Entscheidungen für ein glückliches Miteinander zu treffen, ein Miteinander mit allen Lebewesen.

Eure Christina

Text & Bild Christina Kohlberger / 17.05.2017

Letzten Sonntag zog es mich weder in die Berge, noch an den See, auch die Couch war nicht verlockend, sondern ich setzte mich in den Zug, um einen schönen Nachmittag in Salzburg zu genießen.
Um die Mittagszeit komme ich also mit vielen anderen Touristen in Salzburg an und schlendere ein bisschen planlos, gemütlich durch die Altstadt. An jeder zweiten Ecke spielt jemand Musik. Hier und dort verweile ich für ein paar Minuten und lasse mich von den wundervollen Harfentönen, den markanten Klängen der Trompete und dem Operngesang, dieser wunderbaren Stimme eines jungen Sängers, hinwegtragen. Ich spiele einfach Tourist und tauche in die Menschenmenge ein. Lasse mich ein bisschen treiben und nehme alles in mich auf.

Besucher, Touristen aus aller Herren Länder, kleine und große Gruppen, Paare und auch Menschen alleine gehen in meine und auch in die entgegengesetzte Richtung, Wege kreuzen sich, Blicke auch, ein Lächeln, so viele verschiedene Sprachen, Nationalitäten. Ein Sammelsurium an kuriosen Bekleidungsstücken, grellen und gedeckten Farben, Stil und Eleganz sind keine Voraussetzung, kein Anspruch in diese Richtung, bis auf ein paar Ausnahmen, die mein Auge erfreuen. Menschen leicht bekleidet in luftigen Sommerkleidern, kurzen Hosen, mit mehr oder weniger Stil, mit Mut zur Farbe und Mut den eigenen Körper zu zeigen.

Ich spaziere durch diese Stadt mit einem Lächeln auf meinen Lippen. Du kannst das mal ausprobieren, es macht so viel Spaß! Ach, und sollte es gerade keinen Grund geben für dich zu lächeln, weil du vielleicht etwas Trauriges erlebt hast, dann inszeniere ganz einfach ein lustiges Szenario in deiner Fantasie. Alles ist erlaubt. Du wirst überrascht sein! Es tut gut, jedes Lächeln berührt deine Seele, jedes Lächeln nährt deine Seele, und du bekommst so viel zurück. Wie kann man auf ein Lächeln anders reagieren, als ebenfalls zu lächeln? Ich bin also in der Stimmung zu lächeln und bekomme ein Lächeln zurück, von der Frau am Nebentisch, dem charmanten Kellner im Kaffeehaus, vom Musikanten an der Ecke, von der amerikanischen Touristin, die mich nach Mozarts Geburtshaus fragt.  

Ein Muss ist das Café Tomaselli. Immer, jedes Mal, wenn ich in Salzburg bin. Ich erwische einen Tisch in erster Reihe und genieße meinen „großen Mokka“. Die Bedienung kommt mit einem Tablett, um mich mit ihrem Angebot an Mehlspeisen zu verführen. Auf meine Frage, ob sie vielleicht etwas „ganz Kleines“ im Angebot hätte zeigt sie mir ein wirklich winziges Petit Four (so groß wie etwa mein Daumen) und als ich mich dann überreden lasse, merkt sie noch an: „Da brauchen sie aber bis morgen, bis sie das aufgegessen haben.“ Naja, ich hab´s dann doch schneller geschafft. Eine Dame setzt sich zu mir an den Tisch und wir sind uns einig, nachdem der Ober ihr Komplimente wegen ihrer bunten Turnschuhe gemacht und mein großzügiges Trinkgeld mit einem „Sie sind ein Schatz“ quittiert hat, dass es nur noch hier so charmante Kellner gibt, und frau das mag, sehr sogar.

Dann mache ich mich auf den Weg ins Museum der Moderne am Mönchsberg. Auf dem Weg dorthin bleibe ich kurz vor Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse stehen und höre mir die Erzählung eines italienischen Reiseführers an. Ich verstehe kein Wort, mir gefällt aber der Singsang, die Klangfarbe, das unverwechselbare Timbre dieser Bass-Stimme – und mit einem Male fühle ich mich wie im Süden.

Das Museum am Mönchsberg ist immer einen Besuch wert. Kleine Anmerkung: Ich gehe am liebsten alleine ins Museum. So kann ich verweilen, wo auch immer, wie lange auch immer, brauche keine Kommentare abzugeben und mir keine Kommentare anzuhören, kann mich an der Kunst erfreuen. Im Moment zeigt das Museum eine interessante Ausstellung mit dem Titel: Foto Kinetik – Bewegung, Körper & Licht in den Sammlungen. Diese Sammlungsausstellung „geht der Verbindung von Bewegung, Körper und Licht in der Kunst nach. Kinetische Objekte, Performances und Filmarbeiten werden im Zusammenspiel mit Fotoprogrammen und Fotografien, Lithografien und Zeichnungen präsentiert.“ Wirklich sehenswert!

Nach 3 Stunden ist mein Kultur-Akku wieder aufgeladen, ich genehmige mir noch ein Gläschen Rotwein und ein Mineralwasser auf der Terrasse und habe einen zauberhaften Blick über die Dächer der Stadt. Vom Westen her zieht eine Gewitterfront über die Stadt und ich beeile mich, um ins Trockene zu kommen. Um 20.00 Uhr setze ich mich wieder in den Zug und bin froh um diese kleine Auszeit.

Eure Christina

Text & Bild Christina Kohlberger / 26.07.2017

 

Ich verreise gerne alleine - nur ich mit mir. Unlängst habe ich mich in den Dschungel der Großstadt vorgewagt. Ich hatte quasi ein Rendezvous mit … London – und wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil! Es war ein Vergnügen. Es war vergnügsam alleine (wobei man in so einer Stadt ja nie alleine ist!) durch die Straßen zu schlendern, Museen zu besuchen, in Cafés zu sitzen, das Nightlife zu genießen. 3 Tage konnte ich in die anonyme Masse eintauchen, keine Termine, keine Verabredungen, keine Verpflichtungen. Jede einzelne Entscheidung - was, wo, wann, wie lange? - wurde einzig und alleine von mir getroffen. Und falls ich es mir in letzter Minute doch anders überlegt habe: „Nein, doch nicht zum Thai, sondern lieber noch einmal in die kleine kuschelige Bar (Tipp: Covent Garden Grind) wo ich schon am Vormittag war und es ganz köstliche vegane Gerichte und die besonders netten Kellner gibt.“, dann war das völlig in Ordnung und wurde von niemandem kommentiert. Ich verschwendete keinen einzigen Gedanken daran, alleine auf dem Hotelzimmer zu essen. Es gibt keinen Grund sich unwohl zu fühlen, die Kellner sind immer besonders nett – wobei ich nicht wirklich einschätzen kann, ob aus Mitleid oder aufrichtiger Freundlichkeit. Naja, ist ja auch egal, Hauptsache frau wird zuvorkommend behandelt, egal aus welcher Motivation heraus. Natürlich bin ich immer mit etwas Lektüre gewappnet, (Reiseführer, Magazine, kleines Buch, …) für den Fall der Fälle. Ich vermeide es, den Kopf in mein Handy zu vergraben. Irgendwie nervt mich das auch bei anderen und erstickt jeglichen Anflug von Kommunikation im Keim, sowie jeden kleinen Flirt mit dem Gegenüber, falls es denn zufällig dazu kommen sollte.
Im Hotel hatte ich ein Doppelzimmer gebucht - nur für mich, da aus Erfahrung die Einzelzimmer eher wie Schuhschachteln daher kommen - was für etwas Verwirrung beim Check-in gesorgt hat. Da wurde ich freundlich gebeten, den Namen meines/r Mitreisenden in das Formular einzutragen. Ein selbstbewusstes Lächeln meinerseits hat schnell für Verständnis zwischen mir und der Dame an der Rezeption gesorgt. Beim Frühstück das gleiche Spiel. Naja, als einzige allein reisende Frau im Frühstücksraum eines großen Hotels … spannendes Erlebnis und führt auf alle Fälle zu gesteigertem Selbstbewusstsein! Also, an alle Frauen: Verreist alleine – es ist das reine Vergnügen!

Eure Christina

Text & Bild Christina Kohlberger / 02.05.2017

 

„Du hast einen wunderschönen Körper!“ sagt jemand. „Aber ich mag meine dicken Waden nicht.“ sagst du. Kommt dir das bekannt vor? Fühlst du dich dabei ertappt, auf Komplimente gewohnheitsmäßig mit einem „Aber“ zu reagieren? Warum tun wir das? Warum können wir nicht ganz einfach ein Kompliment annehmen, mit der einzigen richtigen Antwort: „Vielen Dank!“? Wie schön wäre es, ein Kompliment zu hören, einfach so stehen zu lassen, wirken zu lassen, und sich vielleicht darin einzukuscheln wie in eine Decke aus lauter bunten Schmetterlingen … und dann darin erstrahlen. Können wir ein Kompliment, ein Lob ganz einfach als das annehmen, was es ist? Nämlich ein Ausdruck von Wertschätzung, oder einfach eine Anerkennung, oder einfach ein Gesehen werden. Ich versuche, nicht mehr zu hinterfragen, „WARUM?“ macht mir mein Gegenüber ein Kompliment. Denn das ist nicht relevant, das hat keine Bedeutung in dem Moment, wo die Worte von mir gehört werden.
Für mich ist ein Kompliment wie ein Sonnenstahl, der ganz plötzlich und unerwartet auf meine Wange trifft und ich die Augen schließen möchte, um den Moment noch weiter auszukosten. Ein Kompliment ist wie eine Melodie, die mich zum Tanzen bringt, ein kleiner Glücksmoment. Aus diesem Grund verschenke ich auch gerne Komplimente, oder Blumen, oder ein Lächeln. Wobei ich eine aus-gesprochene, eine in Worte gekleidete Anerkennung am liebsten verschenke.

Ich stelle immer wieder fest, dass gerade Frauen jedem Kompliment eine ordentliche Portion an Skepsis entgegenwerfen und es damit wortwörtlich ersticken, so wie ein kleiner zarter Grashalm durch einen groben Stiefel zertreten wird. Ich spreche ein Kompliment aus, lobe meine Kundinnen im Training, und bemerke, wie schwer es fällt dies anzunehmen. Ich finde das sehr schade. Natürlich kann man argumentieren, wozu braucht der Mensch ein Kompliment? Muss auf diese Weise das Ego gestreichelt werden? Ja, ich denke wir sollten unser Ego auch mal streicheln. Denn wenn wir unser Ego gut behandeln, auch anerkennen, dass es vorhanden ist, können wir es auch irgend wann einmal loslassen, wenn wir das wollen.

Als ich vor mehr als 20 Jahren das ersten Mal nach New York reiste, ist mir zuerst diese ganz unkomplizierte Art der Amerikaner aufgefallen, wildfremden Menschen ein Kompliment auszusprechen. Egal ob auf offener Straße, im Bus, im Restaurant. Ich habe es niemals als oberflächlich eingeordnet, sondern viel eher als liebe Angewohnheit. Eine Angewohnheit, die mir fremd war, die mich sehr angenehm überraschte und ich mir gerne zu eigen machte. Ein kleines Kompliment, ein kurzer Austausch, vielleicht ein Lachen. Annehmen, sich daran erfreuen, dass man gesehen wird. So kann manchmal, zu meiner eigenen Überraschung, das Leben auch ganz simpel sein.

Und wie steht es damit: Kannst du dir selber ein Kompliment machen? DÜRFEN wir uns selber ein Kompliment machen? Meine ganz klare Antwort darauf: JA! Ich mache das ab und zu in meinen Kursen und frage danach, was jede einzelne Teilnehmerin in der letzten Stunde besonders gut gemacht hat. Also, das ist eine Herausforderung! Nicht zu formulieren, was heute gut oder schön WAR, nein, zu erzählen was jede einzelne Frau gut GEMACHT HAT. Also, probiere es aus und mach dir gleich heute noch ein Kompliment. Viel Freude dabei!

 

Eure Christina

Text & Bild Christina Kohlberger / 12.02.2017

 

Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit auf ein kleines Experiment eingelassen. Ich nenne es Experiment, weil es ein Versuch war, etwas zu entdecken, gewissermaßen mich selbst zu entdecken. Eine persönliche Begegnung mit mir selber.

Es ging darum, in einem sehr kleinen, persönlichen Rahmen Porträtaufnahmen zu machen. Ich durfte vor, aber auch hinter der Kamera agieren. Ich durfte gesehen werden und auch die andere Person vom Blickwinkel hinter der Kamera sehen. Ich durfte ganz ich sein, denn es gab eigentlich nichts zu erreichen, es gab auch keine großen Erwartungen. Die Atmosphäre war eine entspannte und ich musste dieses Mal nichts darstellen (Frage: ist das eigentlich möglich?), da die Bilder ausschließlich zum privaten Gebrauch gedacht waren. In der Zeit vor und zwischen den Aufnahmen wurden Lebensgeschichten erzählt und gehört und es war ein behutsames Annähern an das Gegenüber, an die Frau, die später vor und hinter der Kamera stehen würde. Es ging auch um Empathie, darum, den anderen zu spüren, wahrzunehmen, um Einfühlungsvermögen und Zartgefühl, um die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen des Gegenübers einzufühlen. Die Frau mit der Kamera kam wirklich sehr nahe an mich heran, wortwörtlich, in jeglicher Hinsicht. Ich ließ diese Nähe zu, ließ mich in ein Gespräch verwickeln, erzählte über mein Leben, über Begegnungen, über Vergangenes, die Gegenwart, die Zukunft, es wurde viel gelacht, und so ganz nebenbei fotografiert. Wenn du während des Fotografierens sprichst, etwas erzählst, entstehen natürlich auch viele unbrauchbare Aufnahmen. Aber dann gibt es auch diese kleine Zeitspanne zwischen den Gedanken, die du im Kopf formulierst und den Wörtern die über deine Lippen kommen. Diese Sekunden, wenn du über das Gesprochene nachdenkst, über das Bedenkliche, das, worüber es Sinn macht nachzudenken. Diese kleinen Momente spiegeln sich in deinem Gesicht, es ist ein winziger Moment des Innehaltens und wenn es jemandem gelingt diese Momente festzuhalten, dann ist nicht nur ein Bild entstanden, sondern dann lässt du jemanden in deine Seele blicken, du öffnest den Schleier und bist einfach nur du selbst.
Nach dem Shooting verabredeten wir uns zu einem "Reading" mit der Aufgabe, 6 Lieblingsbilder des jeweils anderen auszusuchen. Ich muss dazu sagen, dass ich keines meiner Porträts vorab angesehen habe. Es gab also durchaus einen Überraschungseffekt!

Zuhause blättere ich durch Modezeitschriften und sehe keine Menschen, sondern Masken, künstlich hervorgebracht aus dem Verlangen nach Gefallen und Anerkennung, künstlich am Computer erzeugt. Gesichter die vollkommen faltenlos und langweilig sind, unecht, surreal - aber nicht im Sinne von traumhaft, wunderbar - sondern Gesichter die eher artifiziell, künstlich wirken. Ich muss gestehen, ich erschrecke Zusehens. Um ehrlich zu sein, auch ich kann mich nicht immer mit meinen Lach-, Sorgen-, Kummer-, Zornes- und Denkerfalten arrangieren. Auch ich sehe ab und an diesen Linien in meinem Gesicht, die meine Mimik hervorgebracht hat, mit einer gehobenen Augenbraue und verzogenen Mundwinkeln im Spiegel entgegen. Aber dann kommt auch die Erkenntnis, gerade weil ich diese Stimmungen und Gefühle, diese Fröhlichkeit und auch Leidenschaft, Nachdenklichkeit und Traurigkeit in meinem Leben zulasse und zugelassen habe, sieht mein Gesicht aus, wie es aussieht, ist es genau so gezeichnet.
Wann haben wir eigentlich angefangen, wann haben die Medien angefangen, nur noch faltenfreie, maskenhafte Gesichter als schön zu betiteln? Was war der Auslöser? Es gibt doch so viele Facetten von Weiblichkeit, so viele Facetten von Schönheit, so viele Facetten von Mensch-Sein. Wann haben wir angefangen das alles zu verleugnen und einem Idealbild hinterher zu laufen, das künstlich am Computer kreiert wird? Mittlerweile gibt es Fotobearbeitungsprogramme, die Augen weiten, Gesichter verschmälern, Lippen voller machen, Münder vergrößern, Falten glätten, Gesichter "weiblicher" oder "männlicher" machen (was immer das auch bedeutet und vor allem, nach welchen Kriterien?). Ich stelle mir hier an diesem Punkt wirklich die Frage: Wozu tun wir das? Warum, verdammt noch mal, sind wir nicht bereit dazu, unser Selbst zu akzeptieren? Zu unserem ICH, zu dem wie wir sind, was wir sind, zu stehen? Keine Sorge, auch ich nehme mich nicht aus. Bloß, warum verleugnen wir uns selbst, unsere Persönlichkeit? Was steckt hinter diesem Verlangen nach einem makellosen, faltenfreien Gesicht, einem Körper, angepasst an ein fragwürdiges Schönheitsideal? Leben wir in einer Gesellschaft, die verleugnet, dass uns unsere persönlichen Lebensumstände und Geschichten prägen, dass dieses gelebte Leben unsere Gesichter prägt? Müssen wir uns selbst verleugnen?

Zurück zu meiner Erfahrung, meinem Experiment: Ich sehe mir also meine Porträts an, jene 6 ausgewählten Bilder, jene Bilder, die für die Fotografin eine besondere Bedeutung haben. Nun ja …  was sticht mir sofort ins Auge, was fällt mir als Erstes auf? Ich gebe es ganz offen und ehrlich zu. Du hast es erraten? Genau, es sind meine Falten ... und im gleichen Moment muss ich so herzlich über mich selbst lachen. Dann passiert etwas ganz Zauberhaftes: ich werde von einem anderen Menschen gesehen – und nicht nur gesehen, sondern man liest in meinem Gesicht, in meinen unterschiedlichen Gesichtshälften, in meinen Augen, die nun auch mich direkt ansehen. Erkenne ich mich darin? Wie ist mein eigener Blick auf mich? Bin ich wirklich diese Frau auf dem Foto? Man liest in meinen Lippen, die ein Lächeln formen, ein überschwänglichen, herzhaftes Lachen, man liest in meinen leicht geöffneten Lippen, wie sie nur ganz zufällig und ohne es zu wollen abgelichtet werden konnten, in der Form meines Gesichtes, in den Linien, die sich mal mehr, mal weniger auf meiner Haut abzeichnen, in meiner tanzenden linken Augenbraue, man liest in meinen Gesichtszügen und erzählt mir Geschichten darüber. Es ist der ehrliche Blick, einer anderen Frau auf all die Facetten meines Ichs, auf all die Nuancen meiner Weiblichkeit. Es ist auch eine persönliche Begegnung mit mir selber. Ja, das bin ich. So bin ich. Das ist MEIN Gesicht … und ich LIEBE dieses Gesicht, genau aus diesem Grund, weil es MEINES ist. Jedes Bild ist einzigartig, jedes Bild ist wunderschön, jedes Bild zeigt MICH. Es braucht keine Retusche, keine Bearbeitung. Nicht dieses Mal.

Eure Christina

P.S. Falls ich dich neugierig gemacht habe, und auch du Interesse an solch einer Porträt-Fotografie hast, dich auch im Betrachten üben möchtest, hier ist dein Link: https://www.unfoldingface.de

Text & Bild Christina Kohlberger / 08.07.2017

Vor einigen Wochen bat mich jemand, die zehn wichtigsten Wörter meines Lebens aufzuschreiben. Ich fand diese Idee sehr spannend, aber nicht ganz einfach. Wie sich nun diesem Thema nähern? Einfach spontan und intuitiv? Einfach das formulieren, die Wörter finden, die mir jetzt und sofort in den Sinn kämen ohne lange darüber nachzugrübeln? Nein, das schien mir zu einfach und auch nicht ehrlich. So beschloss ich, mir ein paar Tage Zeit zu nehmen, zu spüren, was nach außen möchte, zu spüren, welche Worte wirklich wichtig sind, WELCHE Wichtigkeit diese Worte haben und vor allem WARUM sie für mich wichtig sind, für mein Leben wichtig sind.

Die zehn wichtigsten Wörter meines Lebens sind also: die Anmut, die Schönheit, die Bewegung, die Veränderung, der Mut, die Kreativität, die Weiblichkeit, die Traurigkeit, das Vertrauen, die Berührung.

Jetzt möchte ich euch gerne über diese zehn Wörter eine kleine Geschichte erzählen:
ANMUT ist mein absolutes Lieblingswort. Vor vielen Jahren sah ich eine Tanz-Performance der Martha Graham Company und das einzige Wort, welches mir in den Sinn kam, war jenes wunderbare, zauberhafte, weiche Wort, das die Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne am besten beschrieb: ANMUT. Friedrich Schiller schrieb über die Anmut: "Anmut ist eine bewegliche Schönheit." Genau das. Anmut hat nichts Grobes, nichts Plumpes, nichts Hartes, es ist Lieblichkeit, Zartheit, Zauber, Ausstrahlung, Eleganz und Schönheit. Dieses Wort umschmiegt einen und es zaubert ein Lächeln auf meine Lippen. Sich mit Anmut zu bewegen, das schaffen nur ganz wenige Menschen und wenn man ihr, der Anmut, begegnet, darf man sich glücklich schätzen. Man darf dieses Wort aber auch nicht überstrapazieren, denn sonst würde man es entwerten. Es kommt von alleine, wie Feenstaub, plötzlich ist es da, das einzige Wort, welches eine bestimmte Situation zu beschreiben vermag. Anmut geht einher mit SCHÖNHEIT, wobei die Schönheit viel subjektiver ist, immer im Sinne des Betrachters liegt. Die Anmut hingegen steht über den Dingen.
Die BEWEGUNG hat mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Mich zu bewegen, andere Menschen zu bewegen ist auch zu meinem Beruf geworden. Es ist nicht nur ein Beruf, kein bloßer Broterwerb, es ist Berufung, eine große Liebe. Ich schätze mich sehr glücklich, dies tun zu dürfen.  Der Mensch braucht Bewegung, in welcher Form auch immer. Wir können dieses Wort in Bezug zum Bewegungsapparat stellen, in Bezug zu unserem Körper, der die Bewegung braucht, aber auch in Bezug zur VERÄNDERUNG, die jede Bewegung mit sich bringt. Bewegung ist Veränderung. Veränderung soll man, darf man, muss man zulassen. Veränderung ist Leben. Wir können nur leben, wenn wir wachsen, und zu wachsen heißt, sich zu verändern. Wir verändern uns, in dem wir lernen und Dinge einfach ausprobieren, vielleicht auch das scheinbar Unmögliche wagen.
Für KREATIVITÄT sollten wir alle Platz in unserem Leben schaffen, egal wofür wir uns entscheiden. Was wir sicherlich dazu brauchen, ist MUT. Mutig zu sein, etwas zu wagen, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird. Denn zum Glück wissen wir das vorher nie. Interessant ist, und das fällt mir gerade beim Schreiben dieser Zeilen auf, dass sich in meinem Lieblingswort Anmut auch das Wort MUT versteckt. Ach wie schön! Besonders möchte ich euch Frauen Mut machen, etwas zu wagen, aufrecht der Welt entgegen zu gehen (hat in diesem Zusammenhang irgend jemand eine Assoziation zu meinen Kursen?) und euch den Raum zu nehmen, den ihr braucht. Hier passt ganz gut mein nächstes Wort ... die WEIBLICHKEIT. Ein Buch, von dem Gloria Steinem sagt und ich schließe mich dem an „Ob Frau oder Mann – jeder sollte dieses Buch lesen.“ Der Titel lautet: „Frau“ von Natalie Angier.
TRAURIGKEIT kennen wir alle, nicht wahr? Ich kann euch erzählen, wie mich manches Mal einfach die Traurigkeit überfällt, manches Mal wie aus dem Nichts über mich kommt und sich an mich heftet, an mir klebt wie eine Klette. Ich habe gelernt, das zu akzeptieren, das zu spüren und wahr zu nehmen, besagte Traurigkeit auch willkommen zu heißen. Nach einer Zeit verabschiedet sie sich auch wieder. Sie will einfach ab und zu an meiner Seite sein, ein paar Schritte mit mir gehen, je nachdem wie ihr zumute ist, einen langen oder kurzen Weg. Ich lasse das zu, lasse die Traurigkeit dies tun. Es macht wirklich keinen Sinn dieses Gefühl zu bekämpfen, denn dann wird die Traurigkeit auch noch bockig und rebelliert. Ich glaube, es geht darum, dieses Gefühl wahrzunehmen, eher als es zu bekämpfen. Ich vertraue darauf, dass nach der Traurigkeit auch immer wieder die Fröhlichkeit an meiner Seite ist. Ich gehe jeden Abend mit diesem ganz bestimmten VERTRAUEN ins Bett, dass alles was in meinem Leben passiert zu meinem Wachstum, zu meiner Entwicklung beiträgt. Auch wenn das oftmals überhaupt nicht erkennbar ist, nicht offensichtlich erscheint, denn wozu sollten Enttäuschungen, Rückschläge, schwierige Situationen gut sein? Zum Glück sind sie, wie übrigens auch die glücklichen Zeiten, vergänglich. Es gibt immer eine Zeit davor und danach. Es gibt keinen Lebenslauf ohne Hindernisse, ohne Stolpersteine. Das gehört dazu. Diese Erkenntnis berührt mich zutiefst. Was gibt es Schöneres, als eine BERÜHRUNG? Egal ob jemand meine Seele berührt, mein Herz berührt, meinen Körper berührt. Was wäre ein Leben ohne Berührungen?

Eure Christina

P.S. Was sind die zehn wichtigsten Wörter deines Lebens?

Text & Bild Christina Kohlberger / 07.06.2017

Heute möchte ich mit den ersten Zeilen eines Gedichts von Rainer Maria Rilke meinen Blogeintrag beginnen. Rilke schreibt über die Geduld: "Mann muss Geduld haben und den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen...."

Die Frage ist, können wir diese Geduld aufbringen, wollen wir sie aufbringen, um den Dingen den Raum, die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln? Ist Geduld eine Fähigkeit, welche in unserer Gesellschaft erwünscht ist? Ist Geduld nicht ein Widerspruch zu unserer schnelllebigen, ergebnisorientierten Gesellschaft? Ist Geduld eine Fähigkeit, in der wir uns üben sollten?

Also ich bin wahrlich kein Meister in dieser Disziplin, eher ein Lehrling, ein Schüler mit oftmals ganz miserablen Noten. Ich ertappe mich selber regelmäßig dabei, ein so rasendes Tempo vorzulegen, dass ich mir nicht selten selber hinterher laufe und es für viele Mitmenschen unmöglich macht, gemeinsam mit mir die Ziellinie zu überschreiten, sprich ein Ergebnis zu erreichen. Aber, ein Lehrling, wie der Name schon sagt, sieht seine Aufgabe darin, zu lernen, und der erste Schritt etwas zu verändern, ist immer die Achtsamkeit, die eigene Wahrnehmung. Was ich damit sagen möchte: Ich nehme meine Ungeduld wahr, manches Mal ein bisschen zu spät, aber wenn ich die Geduld aufbringen kann, den Dingen besagten Raum zu geben, kann ich hinterher feststellen, dass die Ergebnisse, so wie sich die Dinge dann entwickeln, ohne Zwang und Druck, immer zu einem guten, wenn auch etwas anderem Ende führen.

Kann ich die Geduld aufbringen, eine Nachricht oder Email, einen Facebook Post oder einen Beitrag zu veröffentlichen ohne sofort und am besten innerhalb der nächsten Minuten, Sekunden eine Antwort, eine Rückmeldung ein „Gefällt mir“ zu bekommen? Oft ertappe ich mich dabei, wie ungeduldig ich in Bezug auf diese Medien bin. Ein anderes ganz lustiges Beispiel: Können wir an der Fußgängerampel stehen und geduldig warten, bis das Ampelmännchen uns das Zeichen gibt: Los! Oder drücken wir nach kürzester Zeit wie von Sinnen gleich zehnmal den Knopf, um der Ampel zu sagen: „Ich will jetzt und sofort die Straße überqueren!“ Nur leider lässt sich weder die Ampel noch das Ampelmännchen davon beeindrucken - es nimmt sich einfach die Zeit die es braucht. Und dann gibt es noch zwei Wörter die für viele so gar nicht zusammen gehören: die Geduld und das Auto. Ich denke da ertappt sich jeder von uns aufs Neue, wie ungeduldig wir sind.

Wie wichtig ist uns die Geduld in persönlichen Gesprächen? Können wir geduldig sein und unserem Gegenüber einfach zuhören, ohne bei jedem gesprochenen Wort sofort eine Assoziation zum eigenen Erlebten aufkommen zu lassen und dem Gesprächspartner ins Wort zu fallen, das eigene Erlebte, die eigene Meinung kund zu tun? Können wir mit der nötigen Geduld zusehen und zuhören, auch wenn das Gehörte und Gesehene so gar nicht nach unseren Vorstellungen ist?
Können wir es ertragen, ein Problem oder ein Thema, welches uns beschäftigt, etwas Unangenehmes einfach ohne Schlusspunkt, ohne die ultimative Lösung, ohne ein Ende einfach so für sich stehen zu lassen? Können wir in und mit der Liebe geduldig sein? Können wir geduldig jemandem oder etwas beim Wachsen zusehen? Dazu fällt mir ein afrikanisches Sprichwort ein: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!"
Mir ist bewusst, dass manche Entscheidungen sofort getroffen werden müssen, ja, manches Mal ist schnelles Handeln unbedingt erforderlich. Nur, wie oft geht es bei solchen Entscheidungen wirklich um Leben und Tod? Könnten wir nicht mit etwas geduldigerem Ausharren den Dingen die eigene Entwicklung zugestehen? Wie wäre das? Ich bin mir auch nicht zu hundert Prozent sicher, ob das immer die richtige Lösung ist, aber wie so oft im Leben, könnten wir uns einfach darauf einlassen, es ausprobieren und spüren wie es sich anfühlt.

Etwas unbeendet zu lassen, lässt uns Möglichkeiten offen - alle Möglichkeiten, auch Möglichkeiten, die wir zuvor niemals in Betracht gezogen haben. Und das ist ganz wunderbar. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht notwendig ist, immer alle Türen zu schließen, einen Punkt, einen Schlusspunkt zu setzten. Nicht jede Geschichte hat und braucht ein perfektes Ende, vor allem nicht das von uns ersehnte, gewünschte Ende, kein „no way back“… ein paar Gedankenpünktchen sind manches Mal ganz hilfreich und eine gute Idee! Und ich glaube, wir werden den Weg zurück finden, werden wieder die Spur aufnehmen, wenn die Zeit gekommen ist, um die Geschichte zu beenden. Vielleicht sogar mit einem ganz anderen Ausgang, als zuvor angedacht und ersehnt, als zuvor von uns so unbedingt gewollt. Aber dazu braucht es … Geduld.

Eure Christina

Text & Bild Christina Kohlberger / 24.05.2017

Meine Lieben!

Es ist soweit … Christina bloggt. Also ja, ich gehe unter die Blogger und werde euch von nun an regelmäßig mit Beiträgen zu ganz unterschiedlichen Themen versorgen. Ob ihr das wollt, oder nicht … ich zwangsbeglücke euch einfach mal so. Natürlich wird der Schwerpunkt auf Fitness, Bewegung, Training und Gesundheitsthemen liegen. Aber nicht nur. Ich möchte euch auch gerne ganz persönliche Geschichten erzählen, von Reisen, von Bergtouren, Städtetrips, von meinem Alltagsleben, von meinem spannenden Beruf, der mich bewegt und der mir Gelegenheit gibt viele interessante Menschen kennen zu lernen. Ein Beruf, der auch gleichzeitig eine Berufung ist. Wie schön ist es, Menschen in Bewegung zu sehen, Menschen in Bewegung zu bringen. Mich mit euch zu bewegen – in jeder Hinsicht.

Ich stürze mich einfach in dieses Abenteuer und bin selber neugierig darauf, wie es sich entwickeln wird. Wer mich noch nicht kennt, wird Gelegenheit haben, mich hier etwas besser kennenzulernen.

Eure Christina

 

Text & Bild Christina Kohlberger / 01.05.2017