Pflanzen auf meinem Tisch

Ein persönlicher Erfahrungsbericht zum Thema Ernährung:

Wie viele von euch wissen, oder auch nicht, ernähre mich seit einigen Jahren, wie ich es nenne „vorwiegend pflanzlich“. Vor 6 Jahren habe ich also von einem Tag auf den anderen beschlossen, keinerlei tierische Lebensmittel mehr zu verzehren. Da es mein Naturell ist, einmal einen gefassten Entschluss auch sofort mit aller Konsequenz die es braucht in die Tat umzusetzen, was bedeutet, Nägel mit Köpfen zu machen, hat meine Familie und haben meine Freunde sich auch nicht großartig  gewundert, als ich sie von meiner Entscheidung in Kenntnis gesetzt habe und mein Kühlschrank ab diesem Zeitpunkt vor lauter Gemüse überquoll. Meine ersten Kochversuche waren, nun ja ich will es mal so formulieren, eher bescheiden, aber der Mensch ist ja lernwillig.
Vor 6 Jahren war das Thema pflanzliche Ernährung noch nicht so präsent wie es heute daher kommt. Es gab noch wenig gute vegane Kochbücher, keine trendigen Köche oder Köchinnen, und auch war das Thema nicht so emotional besetzt wie es heute ist. Ich stieß eher auf  Reaktionen wie: „Was darfst du denn da essen?“ Lustig fand ich immer das Wort „dürfen“ in diesem Zusammenhang, so als würde die Entscheidung nicht von mir kommen, sondern mir von einer unsichtbaren Macht aufgezwungen werden. Nach dem Motto „Das kann doch unmöglich deine eigene Entscheidung sein!“ Meine Antwort war und ist immer noch die gleiche: „Pflanzen!“
Wenn ich mich einmal einem Thema zuwende, so war es auch hier der Fall, dann vertiefe ich mich gerne darin, informiere mich, wäge ab, lasse andere Meinungen zu. Natürlich habe ich viele - ich hatte damals das Gefühl ALLE - Bücher zu diesem Thema gelesen. Einfach weil ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen wollte. Mittlerweile gibt es ja unzählige Beiträge, Veröffentlichungen, Studien und Literatur, mittlerweile ist vegane, oder pflanzliche Ernährung ja zum „Trend“ geworden. Nein, ich lasse mich hier nicht zum Thema vegane Würste aus!

Interessant ist, dass John Robbins schon 1987 in seinem Klassiker „Diet for a New America“ darüber geschrieben hat, wie unsere Ernährungsgewohnheiten auf alle Bereiche des Lebens einwirken. Robbins hat damals bereits angesprochen, dass unsere Ernährungsweise dazu beitragen kann, Krankheiten vorzubeugen, mehr Vitalität, ein stärkeres Immunsystem zu erlangen. Sein 2001 erschienenes Buch „The Food Revolution“ widmet sich noch einmal konsequenter diesen Themen. Ich fand seine Bücher wirklich spannend und lesenswert, mit einem großen Informationsgehalt. Viele von euch kennen sicherlich „The China Study“ von T. Colin Campell, auch das Buch „Tiere essen“ von dem Autor Jonathan Safran Foer, welches nicht nur ein Buch gegen das Essen von Tieren ist, sondern auch gegen das Verdrängen. Natürlich gibt es zu jeder Studie, jeder Veröffentlichung eine Menge an Gegenstudien, gerade zum Thema Ernährung und Lebensmittel, wo uns die Lebensmittelbranche mit all ihrer Lobbymacht zu manipulieren versucht. Ein Thema, wie ich festgestellt habe, dass sehr stark polarisiert, und die Lager spaltet. Ich habe nie versucht andere Menschen zu missionieren, da erstens dieses Vorhaben so oder so scheitern würde und zweitens ich mich weigere andere Menschen aufgrund ihres Essverhaltens zu verurteilen. Für viele meiner Freunde ist der Verzicht auf Fleisch noch nachvollziehbar, beim Thema „Milch besser nicht“ (wie auch der Titel des Buches von Maria Rollinger ist) wird es dann schon etwas spannender. Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen – ein Lebensmittelkrimi! Mein Tipp: Lesen und sich selber eine Meinung bilden. By the way, gerne verleihe ich all meine Bücher!  Noch ein letzter Buchtipp: Tilo Bode, Gründer der Verbraucherorganisation foodwatch hat auch ein interessantes Buch mit dem Titel: „Die Essensfälscher – Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen“ geschrieben. Lesen – wirken lassen – Entscheidungen treffen.

Zur Frage, warum ich mich dazu entschieden habe, keine tierischen Lebensmittel mehr zu essen? Um ehrlich zu sein, ging es mir anfangs rein gar nicht um den Tierschutz. Darüber wusste ich damals einfach viel zu wenig Bescheid, um mich bewusst gegen Massentierhaltung und Industrie-Propaganda zu entscheiden. Es waren in erster Linie gesundheitliche Aspekte, die mich überzeugten, die ich am eigenen Körper wahrgenommen habe, die für mich nachvollziehbar waren. Und ja, es bedarf einiger Anstrengung unsere gewöhnlichen Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen, zu überprüfen, zu verändern. Es hat auch mich einige Überwindung gekostet, Entscheidungen zu treffen, die von der kulturellen Norm abweichen. Es stellt sich dann die Frage, was esse ich im Restaurant, auf der Berghütte bei Bergtouren, auf Reisen, bei Essenseinladungen und dergleichen. Mittlerweile ist das alles wesentlich einfacher geworden, da viele Restaurants vegane Gerichte anbieten – Berghütten sind nach wie vor ein weißer Fleck auf der Landkarte der veganen Gastronomie.
Mittlerweile bin ich nicht mehr ganz so dogmatisch, lasse aber die Finger von Milchprodukten. Da bin ich ganz fest der Überzeugung, dass ich meinem Körper damit schaden würde. Fleisch, egal ob aus Massentierhaltung oder Bio, glücklich und zufrieden, aus Käfig- oder Freilandhaltung verweigere ich konsequent. Ja, manchmal, wie zu Weihnachten erlaube ich mir „Cheating Days“ und lasse mir Mamas Weihnachtskekse schmecken. Ohne schlechtes Gewissen! Ich stelle mir vor, ich habe auf Grund meiner gesunden Ernährung ein riesengroßes Guthaben auf meinem Gesundheits-Konto und  dieses Guthaben erlaubt es mir dann auch ein paar Kekse und Leckereien zu essen, ohne damit meinen Vorsätzen untreu zu werden.

Noch kurz zum Thema Sport und vegane Ernährung. Ihr wisst alle, dass es mittlerweile unzählige Sportler gibt, die sich vegan oder vorwiegend pflanzlich ernähren und großartige Leistungen bringen. Schon Paavo Nurmi hat sich vegetarisch ernährt, Carl Lewis und Martina Navrátilová vegan, um nur drei zu nennen. Auch viele aktive Sportler ernähren sich auf diese Art und Weise. Natürlich wächst der Muskel auch ohne tierisches Eiweiß, natürlich können wir intensive Ausdauerbelastungen abrufen. Aber zu diesem Thema gibt es genügend Literatur.

Und zum Schluss noch an all jene kritischen Stimmen, die vielleicht erwidern werden, dass wir alle irgend wann einmal sterben müssen. Ja, tatsächlich, die Sterblichkeitsrate liegt bei 100 Prozent. Aber interessant ist nicht die Frage wie lange wir leben, sondern, wie gut wir leben, wie glücklich, wie zufrieden. Und in diesem Zusammenhang glaube ich nicht, dass wir abgestumpfte Verbraucher sind und  wir sind nicht auf der Erde sind, um diese zu zerstören, auch wenn es bei gar nicht allzu pessimistischer Sichtweise diesen Anschein hat. Wir alle sind lernfähig, jeder und jede einzelne von uns. Jeder Mensch hat das Recht, nein ich glaube sogar die Pflicht, Entscheidungen für ein glückliches Miteinander zu treffen, ein Miteinander mit allen Lebewesen.

Eure Christina

Text & Bild Christina Kohlberger / 17.05.2017